Talk im Bahnhof: SPD-Abgeordneter Lars Castellucci diskutierte mit Bischof Stephan Ackermann

Bundespolitik

Interessierte Zuhörer*innen beim »Talk im Bahnhof« in Dielheim mit Lars Castellucci

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Castellucci diskutierte beim Auftakt seiner neuen Veranstaltungsreihe „Talk im Bahnhof“ mit dem Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, dem Trierer Bischof Stephan Ackermann und Daniela Ordowski, der Bundesvorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung Deutschland.  

„Ich freue mich sehr, dass wir heute zu Gast im Theater im Bahnhof in Dielheim sein dürfen. Als Beauftragter für Kirchen- und Religionsgemeinschaften der SPD-Bundestagsfraktion und als Christ habe ich viele Fragen mitgebracht“, sagte Castellucci zur Begrüßung.

Nach einem Streifzug durch Bischof Ackermanns Werdegang kam Castellucci auf das beherrschende Thema des Abends zu sprechen: die Fälle von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche. „Die Ohnmacht, die die Betroffenen empfinden, ist nur sehr schwer erträglich. Verstehen Sie, dass Menschen, die diese schrecklichen Erfahrungen gemacht haben, das Vertrauen in die Kirche verloren haben? Und das die Aufklärung, die Sie nun im elften Jahr mitverantworten, daran wenig geändert hat?“

Bischof Ackermann erklärte, dass die Aufarbeitung von individuellen Fällen sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche seit 2010 in einer intensiven Weise stattfinde. „Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, um zu sehen, ob es Punkte gibt, die den Missbrauch in unserer Kirche begünstigen. Diese Studie hat uns klare Maßnahmen zur Aufdeckung und zur Prävention benannt – und den synodalen Weg eingeleitet. Die Aufarbeitung in allen Bistümern mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wissenschaft sowie persönlich Betroffenen hat höchste Priorität“, so Ackermann.

Nach fünfundvierzig Minuten erweiterte Daniela Ordowski als Überraschungsgast die Gesprächsrunde. Die Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung plädierte dafür, die betroffenen Menschen ins Zentrum des Handelns zu stellen. „Die Menschen müssen uns wichtiger sein als der Schutz der Institution. Die starren Strukturen der Kirche müssen sich ändern. Viele verlassen gerade die Kirche, um ihren Glauben zu retten“, so Ordowski. Sie sei grundsätzlich gerne Mitglied ihrer Kirche, weil sie sehe, wie viel gute Arbeit geleistet werde. Die Missbrauchsfälle müssten aber schneller und transparenter aufgeklärt werden. Selbst in Auftrag gegebene, dann zurückgehaltene oder in Teilen geschwärzte Gutachten seien da wenig hilfreich – und nährten den Verdacht, etwas vertuschen zu wollen.

Im zweiten Teil des Abends hatten die Gäste im Theater die Gelegenheit, Fragen zu stellen. In einem offenen Dialog wurden die Leiden von Opfern sexualisierter Gewalt, der Zölibat und die Rolle von Frauen in der Kirche debattiert.

Lars Castellucci schloss den Abend mit deutlichen Worten: „Sexualisierte Gewalt egal in welchen Bereichen unserer Gesellschaft ist inakzeptabel. Die Kirche hat eine Verantwortung, die Leiden aufzuarbeiten, die sie angerichtet und zu lange gedeckt hat. Es wurden bereits gesetzliche Änderungen vorgenommen, diese gehen aber noch nicht weit genug. Während aktuellere Fälle heute von staatlicher Gerichtsbarkeit verfolgt werden, sind zu viele andere Fälle bereits verjährt. Hier muss die Rechtslage noch nachgeschärft werden.“

Wer die Veranstaltung nicht persönlich im Theater im Bahnhof oder im Livestream verfolgen konnte, hat die Möglichkeit, sich diese auch weiterhin unter lars-castellucci.de/live anzusehen. 

Andreas Müller

 

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