85. Todestag: Gedenken an Friedrich Ebert

Historisches

Friedrich Ebert in seinem Büro am 15.2.1925 (Bild: Archiv der sozialen Demokratie)

Heute vor 85 Jahren ist Friedrich Ebert, der erste demokratisch gewählte Reichspräsident der jungen Weimarer Demokratie, gestorben. Sein früher Tod war ein Schock für seine Partei, seine SPD. Auf den jungen Demokraten Friedrich Ebert folgte mit Paul von Hindenburg ein rechtsnationaler Monarchist, der mit Demokratie nicht viel anfangen konnte.

Ebert war kein Theoretiker wie Rudolf Hilferding. Er war pragmatischer Gestalter, vergaß niemals seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen: vom Sattlergeselle und Gastwirt arbeitete er sich für seine Partei und die Menschen ganz nach oben. Von Reaktionären gehasst, hatte er es auch in seiner eigenen Partei oft schwer: er wollte Reichspräsident aller Deutschen sein, und man darf sagen, ihm ist das gelungen.

Nach seiner Wahl zum Reichspräsidenten erklärte Ebert am 11. Februar 1919: „Ich will und werde als der Beauftragte des ganzen deutschen Volkes handeln, nicht als Vormann einer einzigen Partei. Ich bekenne aber auch, daß ich ein Sohn des Arbeiterstandes bin, aufgewachsen in der Gedankenwelt des Sozialismus, und daß ich weder meinen Ursprung noch meine Überzeugung jemals zu verleugnen gesonnen bin.”

Wie anders hingegen sein Nachfolger Paul von Hindenburg, der sich nicht nur die Monarchie zurückwünschte, sondern letztendlich Hitler und dem Nazi-Terror den Weg bereitete.

Friedrich Ebert liegt begraben in Heidelberg auf dem Bergfriedhof. Dort liegt auch Albert Speer, Hitlers Architekt. So liegen im Tode zwei prägende Persönlichkeiten nahe beieinander, die sinnbildlich für die zwei möglichen Richtungen in Deutschland und Europa stehen: Freiheit, Demokratie und Republik – und Terror, Diktatur und Krieg.

Ebert starb zu früh. Sein Werk und Streben blieb unvollendet. Geschmäht und verlacht von links und rechts, spielte seine Gesundheit nicht lange mit. 1925 traf sich die SPD unter dem Eindruck von Eberts Tod und der Niederlage in den Wahlen in Heidelberg, um das Heidelberger Programm zu verabschieden: die Vereinigten Staaten von Europa wurden hier als Ziel angegeben. Wie fern dieses Ziel war und wie nah der Krieg, ahnte 1925 niemand.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) wurde unmittelbar nach Eberts Tod gegründet und versucht bis heute, im Geist und Sinn Friedrich Eberts zu wirken. Der Besuch der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Stiftung in Heidelberg ist sehr zu empfehlen: die Ausstellung über Eberts Leben wurde erst kürzlich erneuert.

Der Weimarer Demokratie fehlte es vor allem an: Demokraten. Demokraten wie Friedrich Ebert, die Kraft und Mut in die gemeinsame Sache des Volkes investierten. Demokratie braucht Demokraten – so banal wie richtig.

Friedrich Ebert ist nicht vergessen.

Christian Soeder

 

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